Kind sitzt auf behindertengerechter Schaukel

Kontakthalten

Die Schulschließung aufgrund der Corona-Pandemie erfolgte an den Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ am Dienstag, den 17.03.2020 (Schließung der Allgemeinbildenden Schulen).

Dies stellt eine außerordentliche Herausforderung auch für die Jugendsozialarbeit an den Schulen mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ dar. Hier sind zudem weitere Besonderheiten zu berücksichtigen: So sind Familien mit einem Kind, welches eine Behinderung hat, besonderen Belastungen ausgesetzt und das gilt natürlich unter den Bedingungen einer Ausgangsbeschränkung in ganz besonderem Maße.

Ziele

Ziel der Jugendsozialarbeit ist daher, diese besonderen Verhältnisse zu berücksichtigen und die Familien der Marianne-Cohn-Schule in den Phasen der Schulschließung und sukzessiven Wiedereröffnung entsprechend mit einem gezielten Beratungsangebot zu unterstützen. Dabei entwickelt die Fachkraft für die Zielgruppe individuelle und angepasste Herangehensweisen.

Zielgruppe

Ein besonderes Augenmerk der Jugendsozialarbeit liegt auf Schülerinnen und Schülern, die in belasteten Familien leben. Dazu gehören insbesondere auch solche Kinder und Jugendliche, die neben ihren kognitiven auch starke körperliche Einschränkungen haben und an Vorerkrankungen leiden. Schüler/innen mit sogenannten „Schwerstmehrfachbehinderungen“ gehören zu den besonders gefährdeten Risikogruppen, die im Falle einer Infektion extrem hohen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind. Naturgemäß führen solche Voraussetzungen in einer Familie zu extrem starken Belastungen.

Umsetzung

In einem Schreiben der Schulleitung an die Eltern sowie auf der Homepage der Marianne-Cohn-Schule wird auf die Beratungsmöglichkeit durch die Jugendsozialarbeit per E-Mail oder Telefon auch in der Zeit der Schulschließung explizit hingewiesen.

Aufgrund der kognitiven und häufig sprachlichen Einschränkungen sind telefonische Beratungsgespräche nur bedingt möglich. Außerdem ist nur ein Teil der Schülerinnen und Schüler in der Lage selbständig telefonischen Kontakt mit der Fachkraft aufzunehmen. Erschwerend sind zudem in vielen Fällen Sprachbarrieren. Die Fachkraft versucht deshalb aktiv Kontakt zu ausgewählten Schülerinnen und Schülern zu halten und ansonsten mit den Eltern in Verbindung zu bleiben.

Außerdem trägt die Fachkraft ihr Gesprächs- und Beratungsangebot wiederholt aktiv an die Familien heran und bereitet weitere Kommunikationsmittel vor (Postkarten, Briefe etc.). Um die Lehrkräfte auf das Unterstützungsangebot der sozialpädagogischen Fachkraft aufmerksam zu machen, wurde allen Klassenteams eine entsprechende E-Mail gesendet. Damit sollte der Fokus nochmals auf Schüler/innen in schwierigen familiären Verhältnissen gelegt werden.

Im Zuge der Wiederöffnung der Schule bereitet der Sozialpädagoge Arbeitsmaterialien und Methoden (z. B. Aufklärung in leichter Sprache) vor und führt Recherchen durch, die Kindern die Einordnung der Corona-Krise in ihre Alltagswelt erleichtert, besonders wenn die Unterstützung im Elternhaus hierfür nicht ausreicht. Es ist absehbar, dass hier ein sehr großer Aufklärungsbedarf mit entsprechenden sonderpädagogischen Mitteln notwendig sein wird. Diese Aufklärungsarbeit wird in den einzelnen Klassen durch die Sonderpädagog/innen zu bewältigen sein, wird sich jedoch auch in der Gruppen- und Einzelarbeit der Fachkraft mit Schülerinnen und Schülern mit besonderen Bedarfen (sozial-emotionale Entwicklung) fortsetzen müssen.

Positive Wirkungen

Die Rückmeldungen der pädagogischen Fachkräfte zeigen die große Wertschätzung und die Anerkennung der Notwendigkeit des Beratungsangebotes speziell für Schüler/innen in schwierigen familiären Verhältnissen.

Insbesondere Eltern von Abgangsschüler/innen wenden sich mit der Frage an die Fachkraft, wie sich wohl der Übergang in eine Nachfolgeinstitution (z. B. Werkstatt für behinderte Menschen) unter den veränderten Bedingungen gestaltet. Mit ihrem ständigen Kontakt zu den entsprechenden Institutionen wie z. B. der Reha-Abteilung der Agentur für Arbeit und zu den Werkstätten selbst, kann die Fachkraft entsprechende Auskünfte erteilen und somit auch etwas zur Minderung von Ängsten beitragen.

Herausforderungen

Über die bereits genannten Aspekte hinaus entstehen bei der sukzessiven Öffnung der Schule weitere Herausausforderungen. Präventionsmaßnahmen zur Virusausbreitung wie z. B. das Tragen einer Mund- und Nasenmaske oder das Einhalten von Mindestabständen stellt für Schüler/innen mit starken kognitiven Einschränkungen eine große Herausforderung dar. So dürfte vielen Schüler/innen das Einhalten von Abstandregelungen sehr schwer fallen, da sie häufig sehr impulsgesteuert reagieren. Die Einhaltung von Hygienevorgaben, wie z. B. das Niesen und Husten in die Armbeuge („Niesetikette“) oder das gründliche Händewaschen wird sicherlich ebenfalls für einen Teil der Kinder und Jugendlichen mit großen Schwierigkeiten verbunden sein. Dies gilt insbesondere für die Anfangsphase der Schulöffnung. Hiermit soll selbstverständlich nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass sich die Schüler/innen eines Förderzentrums die geforderten Fähigkeiten generell nicht aneignen können. Sie benötigen dafür aber Zeit und entsprechende sonderpädagogische Methoden und Vorgehensweisen, um Lernfortschritte zu machen. Notwendige Pflegemaßnahmen, wie z. B. das Wechseln von Inkontinenzmaterial sind naturgemäß nicht mit dem Einhalten des geforderten Abstandes vereinbar.

Alle diese Gegebenheiten wirken sich selbstverständlich auch auf die Jugendsozialarbeit aus. Viele der genannten „behinderungsspezifischen“ Herausforderungen (Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe, Probleme bei der Einhaltung von Abstands- und Hygieneregelungen) sind nur mit individuell angepassten Maßnahmen zu bewältigen. Hier kann die Jugendsozialarbeit in der Konzept- und Maßnahmenentwicklung unterstützend tätig sein.

Ansprechperson
Norbert Spies

E-Mail: n.spies( at )kids-berlin.com