Fotobuch „Yalla!“

Fotobuch „Yalla!“

Das Projekt „Yalla! (Los!, Auf geht’s!) – Erstellung eines Fotobuches“ fand im Rahmen der ehemaligen Sofortmaßnahme für Geflüchtete am Dreilinden-Gymnasium in Steglitz-Zehlendorf statt und wurde während einer Projektwoche umgesetzt.

Zielgruppe und Ausgangssituation

Am Projekt nahmen 37 Schüler/innen und Schüler teil, die drei verschiedene Sprachlernklassen des Gymnasiums besuchen. Die Jugendlichen verloren ihre Heimat und müssen sich nun in einer neuen, fremden Gesellschaft zurechtfinden. Aus den bisherigen Erfahrungen entstehen häufig Minderwertigkeitsgefühle mit Blick darauf, was sie im Vergleich zu anderen nicht können. Besonders die unbegleiteten Schüler/innen sind vielen Belastungen ausgesetzt, da sie sowohl für sich selbst als auch oft für jüngere Geschwister verantwortlich sind.

Ziele

Die Schüler/innen sollen auf kreativem Weg zum Reflektieren angeregt werden. Es soll ihnen verdeutlicht werden, dass sie seit ihrer Ankunftszeit in Deutschland sehr viel geleistet haben und immer noch leisten. Sie können stolz auf sich sein.

Umsetzung

Vom 10. bis 14. Juli 2017 erstellten die Schüler/innen gemeinsam ein Fotobuch, das anschließend von einem Kommunikationsdesigner überarbeitet und zum Druck gegeben wurde. Die Entwicklung jedes Einzelnen wird durch die Gegenüberstellung des Passfoto, des ersten Fotos nach Ankunft in Deutschland und des aktuellen Fotos, fotografiert am Lieblingsplatz in Berlin, sichtbar gemacht. Indem die Schüler/innen jeweils zwei Texte verfassten – 1. „Was hat mich geschafft?“ und 2. „Was habe ich geschafft?“ –, konnten sie ihre eigene Entwicklung nachvollziehen. Sie erhielten so die Möglichkeit, sich mit ihren Problemlagen zu zeigen. Gleichzeitig sollten sie sich gestärkt fühlen, da sichtbar wird, dass jede und jeder Einzelne innerhalb kurzer Zeit sehr viel bewältigen musste und auch viel erreicht hat.

Herausforderungen

Die Planung des Ablaufes musste sehr genau sein:

  • Für das Aufsuchen der Lieblingsorte mussten Termine mit den Schülerinnen und Schülern zu einer sinnvollen Route koordiniert werden.
  • Für das Erstellen der Texte – einzeln und in kleinen Gruppen – wurden Helfer/innen benötigt.

Diese Helfenden waren erwachsene Muttersprachler/innen, die geschult wurden, an einigen Stellen korrigierend einzugreifen, aber nicht so, dass sich der Inhalt veränderte. Es sollte lediglich vermieden werden, dass sich ein/e Schüler/in schämt, weil etwas „komisch“ ausgedrückt wurde. Fehler sollten nur minimal bis gar nicht korrigiert werden und tauchen so auch handgeschrieben im Buch auf.

Positive Veränderungen

Die Schüler/innen genossen die positive Aufmerksamkeit. Sie berichteten gern von sich. Während des Verfassens der Texte wurden wechselnde Gefühle bemerkt: Traurigkeit, wenn sie von ihren Familien und Verlusten sprachen, Ärger und Verletzung, wenn sie von Ablehnung der deutschen Gesellschaft und den Schwierigkeiten mit Behörden berichteten. Sie waren stolz und glücklich, wenn sie bemerkten, dass sie viel geleistet haben. Sie waren überrascht und auch berührt, wenn in Deutschland geborene Projektmitwirkende ihnen Mitgefühl, Achtung und viel Lob entgegenbrachten. Die Schüler/innen wirkten selbstbewusster und mit sich zufriedener.

Shirin an ihrem Lieblingsort in BerlinShirin an ihrem Lieblingsort in Berlin
Shirin an ihrem Lieblingsort in BerlinShirin an ihrem Lieblingsort in BerlinLyad an seinem Lieblingsort in BerlinLyad an seinem Lieblingsort in Berlin

Ansprechperson
Antje Walter

Telefon: 0162 2396478
E-Mail: walter( at )mittelhof.org